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Otto Frey

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Intention Vita

Intention zur Technik:

Ich experimentiere seit vielen Jahren mit dem Medium Aquarell und arbeite sowohl abstrakt als auch gegenständlich. Mein Anliegen ist es, Bilder mit möglichst freiem Farbfluss zu malen. Dabei möchte ich das Aquarell wieder aus der „Hobbyecke“ auf das Terrain moderner Ausdruckstechniken zurückführen. Aquarell wird heutzutage in der bildenden Kunst fast nur noch zum Skizzieren und nicht mehr als vollwertige Maltechnik verwendet. Das möchte ich ändern.

Gegenständliche Motive übertrage ich in der Regel Plein Air, also vor Ort, als lockere Struktur aus Punkten, Klecksen und Linien auf meist großformatige Papiere, wobei die Formulierung im Idealfall einen Entwurfscharakter beibehält. Ähnlich wie in der Kalligraphie werden einmal gezogene Striche nicht wieder verbessert, denn sie bezeugen den Herstellungsprozess. Der Farbauftrag ist expressiv, ich ermögliche ein Ineinanderverlaufen der Farben, um Dynamik und Lebendigkeit zu erzielen und will nicht lediglich das Motiv abbilden. Meine Ausführungen verharren bisweilen in der Andeutung, damit ein Betrachter weiterdenken, sich das Bild selbst erschließen kann.

Das Gemälde soll seine Kraft in den Raum „abstrahlen“, Betrachter sollen sich nicht nähern und hineinsehen müssen, um der Wirkung gewahr zu werden.

Aquarellpigmente verhalten sich in Wasser aktiv (ein Gegensatz zu anderen Maltechniken), die natürlichen Wirkkräfte des Wassers verursachen eine selbsttätige Vermischung der bereits aufgetragenen Farbe. Es ergeben sich Strukturen und Effekte, die in keiner anderen Technik erreicht werden können. Der Malvorgang selbst ist allerdings kaum steuerbar, er kann nur durch Antizipieren zukünftiger Malschritte beherrscht werden. Revidieren durch Übermalen, wie in der Öl- und Acrylmalerei üblich, ist beim Aquarell nicht möglich.

Meine gegenstandsbezogenen Motive sind stets unspektakulär, d.h. ich male keine Prächtigkeiten, sondern eher das, was übersehen wird. Meine abstrakten Motive sind, vereinfacht gesagt, gemalte Gedanken. Licht ist ein zentraler Aspekt in meinem Werk, auch in meinen abstrakten Bildern.

Ich arbeite vorbildlos, d.h. ich benutze mein kunstgeschichtliches Wissen dazu, Ähnlichkeiten mit anderen Malern möglichst zu vermeiden. Berührungsängste, z.B. mit der Blumenmalerei, sind mir ebenso fremd, wie konzeptionelle Strategien, das eigene Werk gesellschaftsrelevant zu tunen.

 

Intention zur Technologie:

Wer heutzutage aquarelliert, akzeptiert regelmäßig die Vergänglichkeit seines Schaffens. Ich akzeptiere sie nicht. Meine Malpapiere sind alterungsbeständig, die „schwächsten Malfarben“ auf meiner Palette besitzen eine Lichtbeständigkeit von 7 bis 8 auf der sog. Wollskala, was einer Haltbarkeit von ca. 200 Jahren entspricht. Die dominierenden Farbsubstanzen in meinen Bildern reibe ich selbst mit dem Glasläufer wie zur Zeit der Renaissance an. Sie erhalten ihre Frische wesentlich länger als 200 Jahre. Solche Praktiken mag Mancher für übertrieben halten, allerdings muss man als Maler bedenken, dass der ästhetische Reiz einer Formulierung nicht selten von zarten farblichen Nuancen abhängt. Sind die verwendeten Farben nicht hochgradig alterungsbeständig, können Bilder schon nach Wochen oder Monaten sichtbare Verluste erleiden. Beispielsweise werden die Aquarelle des genialen Malers Emil Nolde aus diesem Grund einem Publikum nur noch kurzzeitig und in Dämmerlicht gezeigt.

Meine Gestaltungsmittel kann ich nur teilweise im üblichen Farbenhandel erwerben, da dieser eher auf Hobbymalerei ausgerichtet ist. Ich beziehe darum Pigmente von einem Chemiker, der z.T. uralte, in Vergessenheit geratene Substanzen (z.B. echte, sog. ungeschönte Erden), seltene Kobalt-Verbindungen und auch moderne organische Stoffe, wie sie in der Autoindustrie in Kunstharz-Lackfarben verwendet werden, vertreibt. Eine mit solchen Pigmenten hergestellte Aquarellfarbe ist jeder Ölfarbe in Bezug auf Leuchtkraft, Farbsättigung und Lichtbeständigkeit überlegen. denn das Benetzen des Pigmentes mit Ölen bewirkt immer ein starkes Verdunkeln. Mein Bindemittel, ich gewinne es aus Gummiarabicum-Kristallen, erhält dagegen die ursprüngliche Leuchtkraft. Der als angenehm und räumlich empfundene Farbglanz einer Ölfarbe wird von der matt auftrocknenden Aquarellfarbe übertroffen, sobald diese bei der Rahmung hinter Glas gesetzt wird.