Künstlerinterview mit Juergen Czwienk

Mehr über Juergen Czwienk

VORBEMERKUNGEN

Jürgen Czwienk wurde 1956 in Wiesbaden geboren und arbeitet als Autor, Drehbuchautor und Regisseur. Er studierte Literatur- und Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft (TFF) an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seit 1984 arbeitet Jürgen Czwienk freiberuflich, u.a. für das ZDF und seit 1988 für viele nationale und internationale Sendeanstalten. Seine Themen sind Geschichte und Zeitgeschichte als auch Musik.

Hier im Kunstportal präsentiert Jürgen Czwienk im Genre Fotokunst Werke, die mit der Camera-Obscura-Technik entstanden sind. Im Interview mit ARTRIKAT berichtet er darüber.

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WAS FÜHRTE SIE ZUR KUNST?

Am Anfang meiner Arbeiten stand während der Beschäftigung mit der Romantikepoche immer die Frage: Wie haben diese Schriftsteller Natur gesehen? Welche Fantasiebilder beschäftigten sie? Und was bedeutet uns der Begriff von Wildnis noch heute?

Bis in das 18. Jahrhundert hinein war Natur eher etwas Feindliches und Unheimliches. Noch lebten die alten Geister im Wald, die heute praktische gänzlich verschwunden sind und wir gehen praktisch durch eine säkularisierte und teilweise inszenierte Natur, die den Reiz ihrer Ursprünglichkeit verloren hat. Das trieb mich lange um und eines Tages entdeckte ich die Camera Obscura wieder, die ich zwar kannte, die aber für mich in Vergessenheit geraten war. Vor der Erfindung der Fotografie war diese Technik eine Möglichkeit für viele Maler, die Realität genauer abbilden zu können. Sie war ein Hybrid und ein Zwischenschritt zwischen Malerei und Fotografie. Genau diese Zwischenwelt fasziniert und beschäftigt beständig.

Ja man könnte sagen: Ich beschreite immer ein fragiles Terrain, dessen Bedeutung für unsere Wahrnehmung offenbleibt!

WELCHE INTENSIONEN TREIBEN SIE?

Na ja, in erster Linie mache ich die Bilder natürlich, weil ich mich sehr gerne überraschen lasse. Mein Einfluss auf die Ergebnisse ist relativ beschränkt und es sind die Umwege in der Vorbereitung und in der Auswahl des Ortes, die mich umtreiben. Gerade die Verbindung zwischen analoger und digitaler Welt verschafft eine Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Wenn es dann auf den Betrachter zauberhaft wirkt, dann ist meine Absicht auch in ästhetischer Hinsicht gelungen. Zugegeben: Das Wort „zauberhaft“ klingt altmodisch, aber die der Wunsch danach kommt häufiger vor als man denkt.

Als Autor und Regisseur von Filmen fasziniert mich in erster Linie die Zeit, die man mit einem Bild verbringt, denn sonst arbeite ich mit 24 Bildern in der Sekunde und der Akt der Herstellung ist relativ kurz. Eigentlich eine wahre Verschwendung im Hinblick auf die Technik der Camera Obscura. Und die Bilder bleiben jetzt auch, während die Filme in den Archiven verschwinden und vielleicht nie mehr gezeigt werden. So gesehen versetze ich mich in einen Zustand der Nähe mit meinen Bildern, die mir eine andere Definition von Zeit vermitteln.

IHR GRÖSSTER KÜNSTLERISCHER ERFOLG WAR ...

Als ein Betrachter meiner Bilder einmal beschrieb, dass ihn das Bild einladen würde in diese Landschaft hinein gehen zu wollen. Es erinnerte ihn an seine Erfahrungen im Wald und diese spezielle Sehnsucht nach dieser Art von Natur. Viele Städter sind fasziniert von der Ruhe und den wenigen Geräuschen im Wald, der sie in eine Art meditativen Zustand versetzt, so dass alle Sinne wieder geschärft werden können.

Als Erfolg werte ich in erster Linie die Reaktion meines Publikums auf die Bilder, egal ob positiv oder negativ. Aber ehrlich gesagt reagieren bisher die meisten Menschen eher positiv auf die Camera Obscura und die gerade anlaufenden Projekte ermöglichen darüber hinaus einen direkteren Kontakt mit der Kunstform Camera Obscura, in dem sie auch selbst diese Technik ausüben können und dann en passent lernen, die Welt anders zu sehen. Dann machen sie etwas, was auch das Credo von dem romantischen Dichter Novalis war: „… die Welt muss romantisiert werden!“ Wenn das passiert, dann bin ich schon sehr glücklich.

WELCHE KÜNSTLERISCHEN ZIELE/SEHNSÜCHTE HABEN SIE?

Genau genommen sind es zwei Sehnsüchte, die in Form einer Ausstellung realisiert werden sollen. Immer geht es um einen Dialog zweier Kunstformen, die im Sujet eng aneinander liegen:

  1. Into the green. Die Gegenüberstellung meiner Bilder mit den Ölbildern von Wulf Winkelmann und die Frage: Was ist Landschaft? Eine ästhetische Erkundung. Ob im Atelier erfundene Natur oder plein air-Technik. Was beschäftigt Künstler an der Natur?
  2. After Turner. 1841 reiste William Turner auf seinem Rückweg auch in das Hasenbachtal bei St. Goarshausen am Rhein. Nur Skizzen und Zeichnungen sind davon erhalten. Die Camera Obscura spürt seinen Standpunkten nach und führt das aus, was Turner normalerweise in Öl ausgeführt hätte. Ein semi-fiktiver Turner, dessen Spätwerk bereits den Impressionismus vorwegnimmt.